Ev. Auferstehungs-Kirchengemeinde Remscheid

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt ....

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt ....

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt ....

# Adventskalender 2024

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt ....
Advent, Advent,
ein Lichtlein brennt!
Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier,
dann steht das Christkind vor der Tür!
(Volksgut)

Diesen Reim habe ich als Kind gelernt und damit die unendlich lange Zeit bis zum Heiligen Abend immer wieder ausgefüllt. Einer von uns Kindern fragte fast täglich: "wie oft muss ich noch Schlafen, bis das Christkind kommt?" 

Bei uns in der Familie war es Brauch, dass wir vor der Bescherung am glanzvoll geschmückten Weihnachtsbaum mit Kugeln und Lametta im Kerzenglanz gemeinsam musizierten und sangen, Gedichte aufsagten und entweder Opa oder Papa eine Weihnachtsgeschichte vorlas. Fast hatte ich vergessen, dass wir die Adventssonntage ebenfalls mit Adventsliedern und Geschichten verbrachten - in der Mitte des Wohnzimmertisches der selbstgebastelte Kranz mit den 4 Kerzen.

Dafür haben wir Kinder in der Adventszeit fleißig geübt. Zugegeben, für die Nachbarn muss das nicht so schön gewesen sein, denn wenn Kinder nur einmal im Jahr Instrumente spielen, klingt das nicht angenehm. Aber wie ein Wunder gab es in dieser Zeit nie Ärger - auch nicht von den Nachbarn, die immer etwas zu meckern hatten. Heute wundere ich mich manchmal, wie viel geduldsame Gelassenheit die Adventszeit mit sich bringen kann.

Aber was heißt eigentlich Advent? Das haben wir unseren Diakon Christian Busch gefragt:

Das lateinische Wort „Advent“ bedeutet wörtlich übersetzt „Ankunft“. Die Adventszeit verweist auf die Ankunft Jesu Christi, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern. In der alten Kirche war die Adventszeit eine Zeit der Buße und eine Fastenzeit. Heute kaum mehr vorstellbar. Lebkuchen und Spekulatius finden wir im Übermaß schon ab dem späten Sommer in den Supermärkten.

Hinter dem Gedanken der Bußzeit stand eine innerliche und äußerliche Vorbereitung auf die Geburt Jesu als dem zweithöchsten christlichen Fest.

Bei allem Trubel, bei aller Hektik und dem Stress in den Tagen vor Weihnachten können wir heute kaum noch verstehen, dass es nicht nur um die prachtvolle Ausrichtung eines großen Festes geht, sondern um eine geistliche Vorbereitung und Besinnung.

Diese geistliche Vorbereitung wurde klassisch mit Fasten und Gebet durchgeführt. Das Fasten wird vom katholischen Kirchenrecht für den Advent aber bereits seit 1917 nicht mehr gefordert. Das Gebet sollte dadurch mehr in den Mittelpunkt rücken.

Wir kennen das Fasten (wenn überhaupt) ja eher aus der Zeit vor Ostern. Aber der Sinn, im Advent zu fasten, entstammt sicher der gleichen Idee. Nach einer Zeit der Entbehrung und der Einschränkung kann man die Freuden der Festtage viel mehr schätzen und erlebt sie wirklich als etwas Besonderes. Heute erleben wir an den eigentlichen Feiertagen häufig schon eine Übersättigung und ein „Zuviel des Guten“.

In der Liturgie ist die Verbindung zur Fastenzeit vor Ostern noch heute am reduzierten Blumenschmuck (ein Tannenkranz) und der liturgischen Farbe Violett zu erkennen. Nachweisbar ist die Adventszeit seit Ende des 4. Jahrhunderts in Gallien und Spanien. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts finden wir Hinweise auf einfache Formen des Adventskalenders. Um 1840 kamen in den Familien unterschiedliche Formen auf, um die Wartezeit auf Weihnachten greifbar zu machen.

Die ersten einfachen Adventskalender waren 24 Kreidestriche an der Wand. Täglich wischten die Kinder einen Strich bis Weihnachten weg. 

Der Adventskranz entwickelte sich im 19. Jahrhundert. Der Theologe und Begründer des „Rauen Hauses“ in Hamburg Johann-Hinrich Wichern suchte nach einer Möglichkeit, für die Jungen in seinen Heimen die Zeit des Wartens auf Weihnachten deutlich zu machen. Im Jahr 1839 hatte er die Idee, die Tage bis Weihnachten mit brennenden Kerzen abzuzählen. Sein Adventskranz war ursprünglich ein Wagenrad, auf dem insgesamt 24 Kerzen standen: Vier große weiße Kerzen für die Sonntage und 20 kleine rote Kerzen für die Wochentage. Jeden Tag wurde eine Kerze entzündet, bis an Heiligabend schließlich alle Kerzen brannten. Das Licht sollte ein Symbol für Jesus Christus sein, der als das wahre Licht der Welt an Weihnachten geboren wird.

Diese Symbolik in ihrer Schlichtheit geht heute bei dem großen Angebot an „floristischen Meisterstücken“ und prachtvollem Dekomaterial oft verloren.

Geblieben ist sicherlich damals wie heute der Wunsch, die Zeit vor Weihnachten als eine besondere Zeit hervorzuheben und sich auf das große Fest der Geburt Christi angemessen vorzubereiten. 


Diese Ausführung hat uns so gut gefallen, dass sie auch mit schönen Bildern im aktuellen Gemeindebrief GEMEINSAM zu lesen ist, der in diesen Tagen ausgetragen wird. Mich hat vor einigen Jahren schon die Geschichte vom 1. Adventskranz sehr berührt, nie hätte ich gedacht, dass dieser aus meiner Heimatstadt Hamburg kommt.

Gab es in Ihren Familien auch besondere Traditionen zum Advent und an den Weihnachtstagen? Sie können uns diese gerne schreiben, wir freuen uns auf die Vielfalt und Gemeinsamkeiten.

Einen geruhsamen 1. Advent
Anke Schubert-Hinrichs
(systemische Kommunikation und Redaktion)

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